DIN 69901
Projektmanagement-Disziplinen
Elf zentrale Prozessuntergruppen strukturieren die Projektmanagementprozesse.
Begriffliche Einordnung
Projektmanagementdisziplinen werden in der Fachliteratur und den Normen häufig synonym als Themengebiete, Wissensgebiete oder Sachgebiete bezeichnet. Sie stellen thematische Zusammenfassungen von Aufgaben, Methoden und Prozessen dar, die für eine erfolgreiche Projektabwicklung unerlässlich sind.
In der zentralen Norm DIN 69901 werden diese Disziplinen als Prozessuntergruppen definiert. Sie dienen der logischen Ordnung der vielfältigen Projektmanagementprozesse und erleichtern die Orientierung über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg. Gemäß dem Prozessmodell der DIN 69901-2 existieren elf zentrale Disziplinen.
Die elf Disziplinen
Ablauf und Termine
Umfasst die detaillierte Planung der zeitlichen Abfolge, die Identifizierung von Meilensteinen und die effektive Bewältigung von Terminstörungen.
Änderungen
Der systematische Umgang mit beabsichtigten und durch Planabweichungen bedingten Modifikationen, einschließlich deren umfassender Analyse und Bewertung.
Information, Kommunikation & Dokumentation
Gewährleistet den reibungslosen Austausch von Informationen zwischen allen Beteiligten, regelt das Berichtswesen und stellt die ordnungsgemäße Archivierung sicher.
Kosten und Finanzen
Umfasst die präzise Aufwandsschätzung, die Erstellung detaillierter Kosten- und Finanzmittelpläne sowie deren kontinuierliche Steuerung.
Organisation
Regelt den Aufbau der Projektorganisation, die klare Verteilung der Rollen (Aufgaben, Kompetenzen, Verantwortlichkeiten) und die effektive Teambildung.
Qualität
Definiert die Erfolgskriterien und legt umfassende Verfahren zur Sicherung und Prüfung der Projektergebnisse fest.
Ressourcen
Bezieht sich auf die sorgfältige Planung, die selektive Auswahl und die effektive Steuerung des Einsatzes von Personal und Sachmitteln.
Risiko
Wird als Pflichtdisziplin betrachtet. Umfasst die Identifizierung, Analyse und Beherrschung von Unsicherheiten, die den Projekterfolg beeinträchtigen könnten.
Projektstruktur
Bildet die Grundlage durch die hierarchische Gliederung des Projekts in Teilprojekte und Arbeitspakete (Projektstrukturplan).
Verträge & Nachforderungen
Umfasst das Management von Vereinbarungen mit Kunden und Lieferanten sowie den Umgang mit daraus resultierenden Claims.
Ziele
Konzentriert sich auf die Definition, Abgrenzung und Überwachung der zu erreichenden Projektziele.
Ergänzende Einordnungen
- Qualitätsmanagement wird zusätzlich als eigenständige Managementdisziplin hervorgehoben, der das Projektmanagement im weiteren Sinne untergeordnet ist, da Projekte Produkte erstellen, die den Qualitätsprüfungen des Unternehmens unterliegen.
- Multiprojektmanagement, einschließlich Programm- und Portfoliomanagement, stellt den organisatorischen Rahmen bereit, um diese Disziplinen über mehrere Projekte hinweg zu koordinieren und an der Unternehmensstrategie auszurichten.
- Soft Skills wie Führungskompetenz, Konfliktlösung und Kommunikation stellen keine Disziplinen dar, sondern sind essentielle menschliche Fähigkeiten, die die effektive Umsetzung der Aufgaben innerhalb dieser Disziplinen ermöglichen.
Nummerierungssystem
Die Zuordnung der Prozesse innerhalb dieser Disziplinen wird durch ein Nummerierungssystem verdeutlicht. Die erste Ziffer nach dem Phasenbuchstaben (z. B. das „8" in P.8.1 für Risikoanalyse) gibt die Zugehörigkeit zur jeweiligen Prozessuntergruppe an.